Wer im Red Chili Rest Camp eine Nacht im Zelt verbracht hat, weiss was unruhiger Schlaf ist.
Zwischen dem eigentlichen Zelt und dem Ueberzelt sind die ganze Nacht ueber Geckos unterwegs, die lustige Geraeusche machen und das Camp wird von den afrikanischen Wildschweinen besiedelt, die im Muell nach Essensresten suchen.
Nun konnte ich nicht schlafen, war aber im Besitz einer Taschenlampe und wagte es dann doch, das Zelt zu verlassen.
Am Morgen war ich dementsprechend unausgeschlafen und torkelte an die Bar wo ich fuer Rene und mich Kaffee bestellte.
Didi musste ja schon eher los, da er um 8 mit der Faehre auf das andere Ufer uebersetzten musste. Geplant war, dass Rene und ich mit dem Boot um 9 losfahren und Didi dann auf der anderen Seite zusteigt.
Prinzipiell hat das auch funktioniert, nur sind wir erst eine dreiviertel Stunde spaeter losgefahren, da das Boot noch auf frischen Diesel warten musste, der mit einiger Verspaetung geliefert wurde.
Immerhin konnten wir die afrikanische Art, ein Boot zu betanken, beobachten – ein Vorgang, den man ja nicht alle Tage zu sehen bekommt.
Die Prozedur begann damit, dass ein Fass von einem LKW gerollt wurde und auf den Boden plumpste. Anschliessend wurde eine Waschschuessel sowie ein Kanister organisiert und das Fass an eine kleine Mauer am Ufer gerollt. Ueber der Schuessel haben die Leute dann das Fass geoeffnet und den Kanister druntergehalten. Es ging eine ganze Menge Diesel daneben, aber irgendwann war genug im Kanister, um das Boot zu betanken.
Nachdem dieses Zeremoniell beendet war, konnten wir losfahren.
Am anderen Ufer ist Didi dann wie geplant zugestiegen und die Fahrt nilaufwaerts konnte beginnen.
Waehrend der Bootsfahrt konnten wir dutzende Hippos sehen, die in ihren Schulen im Wasser vor sich hin duempeln. Ausserdem besuchten noch verschiedene Antilopen den Fluss um zu trinken.
Wir hatten auch die Gelegenheit einen Wasserbueffel zu sehen und etliche Krokodile, die sich in der Vormittagssonne raekelten. Die Fahrt nilaufwaerts dauerte gut zwei Stunden und kurz vor den Murchinson Falls sind Didi und ich aufs Oberdeck des Bootes geklettert.
Und dann habe ich ihn gesehen: Meinen ersten echten Elefant!
Er stand da am Nilufer und hat seinen Morgendurst geloescht. Irgendwie hatte ich mir Elefanten groesser vorgestellt. Aber ich fand ihn sehr knuffig, wie er da so stand und guckte. Ein richtig symphatischer Zeitgenosse. Nur fotografieren lassen wollte er sich nicht von jedem.
Als dann alle aufs Oberdeck kamen, drehte er sich um und praesentierte sein Hinterteil.
Nachdem sich alle am Elefant sattgesehen hatten, ging es ein kurzes Stueck weiter zu den Murchinson Falls. Dort muss der Nil sich durch eine 6 Meter breite Schlucht zwaengen. Auch wenn die Hoehe nicht sonderlich gross ist, ergibt das doch ein beeindruckendes Schauspiel.
Leider konnte das Boot nicht allzu nah heranfahren, weil direkt vor den Faellen zu viele Steine im flachen Wasser liegen. An den Murchinson Falls war unsere Bootsfahrt nilaufwaerts beendet. In deutlich groesserem Tempo ging es dann in nur einer Stunde wieder zurueck zur Anlegestelle.
Einmal musste das Boot aber auf der Rueckfahrt doch halten: Eine Elefantenfamilie stand am Fluss!
Gegen ein Uhr Mittag verliessen wir dann das Boot und fuhren mit unserem Auto zur Paraa Lodge.
Die Lodge besteht aus einem Hotel und einem Restaurant, die beide einem Inder gehoeren. Dort wollten wir Mittagessen, musste aber erst einmal am Pool warten, weil die Hotelgaeste bevorzugt bedient wurden. Die Anlage ist fuer Uganda sehr luxurioes und ebenso teuer.
Lustigerweise liegt sie am Nilufer genau unserem Camp gegenueber.
Als Teilzeit-Vegetarier war ich begeistert von dem riesigen Buffet mit indischen Spezialitaeten, das uns erwartete und habe mir natuerlich den Bauch vollgeschlagen bis ich nicht mehr konnte. Wir hatten ja auch sooooo viel Zeit.
In der Paraa Lodge konnte ich dann lernen, dass die Welt auch in Uganda nur ein Dorf ist. Zeitgleich mit uns, aber ohne es abzusprechen, verbrachte auch eine Kollegin von Didi mit ihrem Mann ihr Wochenende in den Murchinson Falls.
Gemeinsam mieteten wir dann einen Guide fuer einen Game Drive. (Das Game kommt uebrigens von Gemse, nicht von Spiel ![]()
Unser Guide hiess Sarah und war mit einer Maschinenpistole bewaffnet. Sarah ist die einzige Frau, die als Guide im Murchinson Falls National Park arbeitet – und sie ist der beste Guide, den man haben kann, denn wir konnten alle Tiere sehen, die der Park zu bieten hat!
Statt viele Worte zu verlieren, lasse ich einfach ein paar Bilder sprechen. Um kurz nach vier ging unsere Tour los…
Blick auf den Murchinson Falls National Park
Waterbucks sind genauso scheu wie gross
Es gibt 800 Giraffen im Murchinson Falls National Park
Giraffen haben genauso viele Halswirbel wie Menschen
Elefanten gibt’s ungefaehr 2000 im Park. Frueher waren es einmal 15.000
Elefanten sind die einzigen Lebewesen mit vier Knien.
Impalas sind mittelgrosse Antilopen.
Ein maennlicher Impala hat 50 Weibchen. Lange haelt er das aber nicht durch.
Wasserbueffel sind die gefaehrlichsten Tiere in Uganda
Sarah und Rene auf Andis Pickup
Loewen auf der Jagd sind schwer zu entdecken
…um neunzehn Uhr mussten wir wieder an der Faehre sein. Und kurz nach Sechs entdeckte Rene noch einen Loewen! So nah an der Strasse, dass man ihm direkt in die Augen schauen konnte.
Wir verbrachten viel zu viel Zeit bei dem Loewen und mussten schliesslich alle Regeln des Parks brechen und sind mit 70 km/h die 35 Kilometer zurueck zur Faehre gefahren. Ein Hoch auf Didi und die elastisch-ugandische Grundhaltung. Andi hat dann diese Woche die Stossdaempfer wechseln lassen…
Nachdem wir die Faehre knapp erreichten, haben wir noch eine Nacht im Camp verbracht und sind am naechsten Morgen auf dem Landweg
zu den Murchinson Falls aufgebrochen. Aus der Naehe betrachtet sind die Faelle noch beeindruckender als aus der Ferne vom Fluss aus. Da das Wasser dort ziemlich aufgewirbelt wird, zeichnen sich wunderbare Regenbogen ab, die immer wieder neu gezeichnet werden.
Nach den Faellen sind wir nach Butiaba am Lake Albert gefahren. Die Fahrt ging ueber Landstrasse, die man in Deutschland nicht mal als Feldweg deklarieren wuerde.
Der Lake ist aber auf jeden Fall eine Reise wert. Bei Butiaba geht eine Landzunge recht weit in den Lake hinein auf der frueher die Briten einen Stuetzpunkt hatten.
Die Ruinen kann man noch heute sehen, ebenso wie ein Schiffswrack, das vor Jahren ueber den See nach Kongo gefahren war um die dortigen Bodenschaetze zu holen.
Didi und ich sind am Sandstrand barfuss durchs Wasser gelaufen, unter Palmen, wie in der Suedsee…
Vom Lake Albert aus sind wir dann ueber Hoima wieder nach Kampala gefahren, wo wir am Abend eintrafen.
Am Montag meldete Sarah sich krank. Sie hatte Malaria und sah schrecklich aus. Am Donnerstag kam sie dann wieder und man merkt deutlich, dass die gute Fee im Haus ein paar Tage fehlte. Sarah meinte auch, dass sie sich Sorgen gemacht hat, ob wir alleine klar kaemen.
Da der Pickup etwas gelitten hat, unter anderem war eine Aufhaengung der Spurstange gebrochen und die Stossdaempfer nur noch Luftpumpen, hat Andi ihn zur Werkstatt gebracht. Der Eindruck, den eine ugandische Autowerkstatt hinterlaesst ist auch interessant… Singh, ein Inder, hat nicht einmal eine Hebebuehne. Aber der Pickup ist jetzt wieder in Ordnung.
Nachdem wir aethiopisch Essen waren, wurde Andi dann krank und musste zu hause bleiben. Also bin ich mal mit dem Bodaboda zur Firma gefahren. Andi hatte sich irgendeinen Darminfekt eingefangen und musste Unmengen von Tabletten nehmen, ist aber mittlerweile wieder genesen.