Walter Moers: Ensel und Krete

30. Dezember 2007

Ensel und Krete
Mit Ensel und Krete übersetzt Walter Moers ein Werk des zamonischen Schriftstellers Hildegunst von Mythenmetz in unsere Sprache.
Nach der Lektüre dieses anspruchsvollen Werkes wird dem aufmerksamen Leser bewusst, dass sich die Gebrüder Grimm sicherlich an der zamonischen Märchenwelt bedient haben, als sie ihre Sammlung an Hausmärchen herausgaben.

Im Ernst: Walter Moers ist ein Meister der Phantasie. Sich eine solche Geschichte auszudenken – okay, sie so zu verändern – braucht einiges an Zeit und Muße. Die mythenmetzsche Abschweifung ist allerdings die Krönung – in regelmäßigen Abständen beschimpft Hildegunst seinen schärfsten Kritiker. Zumeist unterbricht er damit die spannendsten Stellen des Buches, doch wer möchte es ihm verübeln.

Außerdem muss man erstmal auf die Idee kommen, zwei Seiten mit
brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli, brummli zu füllen.

Fazit: Genial, phantastisch – und man lernt, warum Erdgnömchen Himbeeren lieben.

Dietrich Schwanitz: Der Campus

23. Dezember 2007

Der Campus
Hanno Hackmann ist Professor für Soziologie an der Universität Hamburg.
In Fachkreisen hat er einen guten Ruf, unter Kollegen und Freunde ist er geachtet.
Nur in seiner Ehe kriselt es, aber damit kommt er ganz gut zurecht.
Bis er eines Tages in den Verdacht gerät, eine Studentin sexuell missbraucht zu haben.
An der Universität wird der Vorfall zum Politikum, es geht um Macht, um wichtige Positionen – und um die politische Korrektheit mit der so ein Fall angepackt werden muss.
Die Wahrheit ist da nur im Wege und somit soll Professor Hackmann wohl fallen…

Schwanitz’ Buch ist sehr kontrovers und viel diskutiert worden.
Eloquent und unterhaltsam spricht er mit seinem Roman ein Thema an, das in seiner Interpretation durchaus manchem Mann zum Verhängnis werden kann – und manchmal eben auch zu Unrecht.
Und ganz nebenbei amüsiert er sich prächtig über die Strukturen der Hamburger Universität an der er selbst ja auch mehrere Jahre lang lehrte.

Fazit: Muss man nicht gelesen haben, ist aber nette Unterhaltung. Und da sich Reich-Ranicki darüber gefreut hat, es gelesen zu haben, wird man es sicher nicht bereuen.

Viktor Pelewin: Die Dialektik der Übergangsperiode von Nirgendwoher nach Nirgendwohin

23. Dezember 2007

Die Dialektik der Übergangsperiode von Nirgendwoher nach Nirgendwohin
Das Cover meiner Ausgabe ist viel schöner als das auf dem Bild. Orange mit Matroschkas darauf.
Aber eigentlich kommt es ja nur darauf an, was drinnen steckt, im Buch – das Cover sollte zweitrangig sein.

Nun, bei diesem Werk steckt darin eine seltsame Geschichte um einen russichen Bankier, der an die mystische Zahl 34 glaubt und die Unheil bringende 43. Stephan heißt der Mann und schlägt sich wacker im postkommunistischen Zeitalter eines Putin in Russland durch.
Wunderlich ist es was die Begleiter des Protagonisten so treiben, seine Freundin gibt ihm beim Sex Namen von Tamagotchis, sein Konkurrent hält sich wenn er unter Drogen steht für einen Esel.

Wegen der Geschichte lohnt es sich sicher nicht, das Buch zu lesen. Sprachlich ist es allerdings ein Meisterwerk.

Mein Fazit: Über Russland kann man bei Gorbatschow oder Scholl-Latour mehr erfahren.
Hat man’s gelesen, findet man’s geil.
Für schwache Leser aber definitiv nicht geeignet.

FreeBSD: Nervende arp-Meldungen

23. November 2007

FreeBSD LogoSeit einiger Zeit nervten mich auf etlichen Servern, die ich bei Hetzner betreue, Meldungen wie:

arplookup 88.XXX.XXX.XXX failed: host is not on local network

Diese tauchten jeden Tag in den Statuslogs der Server auf und machten das morgendliche E-Mail-Lesen zur Qual.

Nun habe ich endlich einmal die Zeit gefunden, diesen Meldungen auf den Grund zu gehen. Google liefert etliche Tips, doch einfach den Kernel zu patchen und die Meldungen auf diese Weise loszuwerden – nicht mein Stil, die Meldungen haben ja eigentlich einen Sinn.
Also bin ich irgendwann auf folgende Lösung gestoßen:

Man trägt eine statische Route in /etc/rc.conf ein, die die IP-Adresse auf das entsprechende Interface zuweist:


static_routes="gw"
route_gw="-host 88.XXX.XXX.XXX -interface re0"

Ein Aufruf von netstat liefert dann das den neuen Eintrag


Internet:
Destination Gateway Flags Refs Use Netif Expire
...
88.XXX.XXX.XXX 00:02:85:XX:XX:XX UHLS 1 0 re0
...

Leider mit der MAC-Adresse der lokalen Netzwerkkarte – was zwar die arplookup-Meldungen verschwinden lässt, dafür aber eine neue ständige Fehlermeldung hervorruft, die mindestens genauso nervt.


arp: 00:02:86:XX:XX:XX attempts to modify permanent entry for 88.XXX.XXX.XXX on re0

Doch diese Meldung kann mit dem Tool arp abgefschafft werden.

Diese trägt man in die ARP-Tabelle ein. Ich habe das, um es gleich statisch zu haben, in die Datei /etc/arptab geschrieben. Man schreibt einfach die IP-Adresse gefolgt von der korrekten MAC-Adresse:


88.XXX.XXX.XXX 00:02:86:XX:XX:XX

Jetzt muss das ganze noch aktiviert werden. Das geschieht mit dem Befehl:


/usr/sbin/arp -f /etc/arptab

Diesen Befehl kann man einfach in die Datei /etc/rc.local schreiben um die Änderung der ARP-Tabelle bei jedem Neustart verfügbar zu machen.

Guy Kawasaki: The Art of the Start

15. November 2007

The Art of the StartWenn man etwas beginnen will – egal was es ist – sollte man sich unbedingt Guy Kawasakis Guide for Anyone Starting Anything neben das Kopfkissen legen. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, das schon durch seine bloße Anwesenheit im Raum derartig motivierend wirkt wie dieses.

Statt hier viele Wort über das Buch zu verlieren, lasse ich Guy lieber selbst erzählen:

Ich habe das Buch gelesen und ich kann es nur jedem empfehlen, der irgendetwas anfangen will – völlig egal was.
Da Guy sich größtenteils mit Unternehmensgründungen beschäftigt, ist dieses Thema natürlich auch der Aufhänger für sein Buch.

Die Regeln – wenn man seine Empfehlungen sie als solche bezeichnen will – lassen sich aber auch auf jedes andere Gebiet auf dem man etwas beginnen kann, übertragen.
Dabei sind sie unkompliziert und absolut einleuchtend: Man soll einfach loslegen!
Guy gibt Tipps zum Schreiben von Businessplänen, zur Auftrags- und Kapitalaquise, zum Finden der besten Mitarbeiter und zum richtigen Positionieren am Markt – und dies abseits der sonst üblichen trockenen Fachliteratur direkt aus Sicht eines Venture Capitalist.
Mein Fazit: Wer nach diesem Buch keine Firma gründen will, kann kein Englisch.

Michael Crichton: State of Fear

15. November 2007

State of Fear
Michael Crichtons wohl meistdiskutierter Roman beschäftigt sich mit dem Thema der globalen Erwärmung.
George Morton, ein Multimillionär aus Los Angeles, ist Hauptfinanzier der Umweltorganisation NERF.
Seit vielen Jahren unterstützt er die Umweltaktivisten aus der tiefen Überzeugung, das Rrichtige zu tun, bis er eines Tages erfährt, dass sein Geld für Umweltterrorismus verwendet wird.
Kurz nach einem Auftritt bei einer wichtigen Konferenz von NERF stirbt Morton bei einem Autounfall.
Sein Anwalt Peter Evans macht sich gemeinsam mit Mortons Assistentin Sarah und Professor John Kenner, einem Spezialisten für Umweltprobleme, auf die Suche nach der Ursache für Mortons Tod.
Und was Evans von Kenner über Umweltorganisationen erfährt, stellt sein gesamtes Weltbild auf den Kopf…

Crichton provozierte mit seinem Roman nicht nur Umweltschutzorganisationen.
In seiner Fiktion lässt Crichton sie den Versuch unternehmen, einen Tsunami auszulösen, um einen Beweis für die globale Erwärmung zu haben.
Durch die Figur des Professor Kenner stellt Crichton viele Thesen zur globalen Erwärmung in Frage und belegt seine Zweifel mit – wie man es von ihm gewohnt ist – mit gut recherchierten Artikel aus Fachpublikationen.

Wenn man, wie ich, kurz vorher Tim Flannery gelesen hat und dann Crichtons Darstellung sieht, kommt man schon ins Grübeln, wie viel Wirklichkeit an all dem ist…

Fazit: Ein absolutes Muss, wenn man sich für Umweltproblematiken interessiert oder einfach nur spannende Thriller mag.

Frank Herbert: Die Ordensburg des Wüstenplaneten

9. September 2007

Die Ordensburg des WüstenplanetenDer sechste Band über den Wüstenplaneten war das letzte Buch Frank Herberts. Es schließt direkt an den fünften Band an:

Die Geehrten Matres verfolgen die Bene Gesserit durch die Galaxis mit dem Ziel, sie auszurotten. Odrade, die unfreiwillig die Führung der Bene Gesserit übernommen hat, versucht den Orden zu retten und gleichzeitig den Wüstenplaneten wiederherzustellen, der von den Geehrten Matres vernichtet wurde.
Duncan Idahoe ist mit der ehemaligen Geehrten Mater Murbella und dem letzten der Bene Tleilax Scytale in dem Nicht-Schiff gefangen, mit dem ihnen die Flucht gelungen ist. Duncans Aufgabe soll es sein, den Ghola von Miles Teg, den großen Militärführer der Bene Gesserit, auszubilden und Murbella soll zur Bene Gesserit bekehrt werden.
Währenddessen verwandelt Sheeana, die die Sandwürmer auf Rakis beherrschte, den Ordensburgplaneten in einen Wüstenplaneten, in der Hoffnung, daß sich wieder Sandwürmer ansiedeln.

Es kommt schließlich zum Show-Down zwischen den Geehrten Matres und den Bene Gesserit und fast schein es, als würden die Bene Gesserit den Sieg davon tragen.

Auch der sechste Teil steht in Spannung seinen Vorgängern in nichts nach. Leider konnte Frank Herbert den Zyklus um den Wüstenplaneten nicht selbst beenden, so daß der Roman mit seinem offenen Ende für sich stehen bleiben muß. (Die Sequels von Brian Herbert und Kevin J. Anderson halte ich für unlesbar.)

Andreas Eschbach: Kelwitts Stern

9. September 2007

Kelwitts SternAngenommen, es gibt intelligentes Leben auf einem anderen Planeten.
Angenommen, dieser Planet befindet sich im Zentrum der Milchstraße und heißt Jombuur.
Angenommen, dort schenkt man jedem Neugeborenen einen Stern.
Angenommen, einer der Bewohner des Planeten macht sich auf, seinen Stern zu besuchen.
Angenommen, dieser Stern ist unsere Sonne…

Kelwitt, der ausschaut wie eine Mischung aus Delphin und einem Kind, besucht auf seiner Orakelfahrt seinen Stern und macht die Entdeckung, daß auf dem dritten Planeten seines Stern Leben existiert.
Entgegen aller Anweisungen will er sich den Planeten genauer anschauen – und stürzt ab. Mitten über Deutschland, kurz vor Weihnachten des Jahres 1999.
Nachdem er von einem BND-Agenten verhaftet wird und diesem nach einem Unfall entkommt, lernt er die Familie Mattek kennen, die ihn bei sich aufnimmt und versteckt. Die Matteks, eine typische deutsche Familie mit all ihren Problemen, freunden sich schnell mit Kelwitt an. Doch Kelwitt bekommt das Leben auf der Erde nicht sonderlich gut. Die Athmosphäre und die Nahrung machen ihm zu schaffen.
Das Raumschiff, das ihn abholen soll, kommt und kommt nicht. Aber BND-Agenten, UFO-Forscher und geldgierige Gauner finden heraus, das Kelwitt auf der Erde ist – und wo er sich aufhält.

Ein nettes Buch, kein Muß, aber doch so angenehm geschrieben, daß man nicht bereut, es gelesen zu haben.

FreeBSD: SNMP im Jail

25. August 2007

FreeBSD LogoNachdem ich eine ganze Weile versucht habe, den Net-SNMP unter FreeBSD in einem Jail zu betreiben, war die Lösung doch recht einfach.
Im Jail kann auf /dev/mem nicht zugegriffen werden, also deaktiviert man die entsprechenden Module mit einem Eintrag in /etc/make.conf:


.if ${.CURDIR:M/basejail/usr/ports/net-mgmt/net-snmp}
CONFIGURE_ARGS=--with-out-mib-modules="host" --without-kmem-usage
.endif

Robert Harris: Imperium

28. Juli 2007

Robert Harris: ImperiumMarcus Tullius Cicero will Konsul von Rom werden.
Ein ehrgeiziges Ziel für einen Mann, der keiner der Familien entstammt, die die Herrschaft über die Republik Rom seit Jahrzehnten führen.
Doch Cicero geht seinen Weg auf ungewöhnliche Weise. Er nimmt als Ankläger den Fall eines Mannes an, der wegen eines skrupellosen Statthalters aus seiner Heimat fliehen musste – und gewinnt. Sein Schicksal nimmt damit seinen Lauf, denn es gibt kein Zurück mehr. Cicero muß das Machtgefüge des alten Roms zerschlagen und sich selbst an die Spitze setzen.
Jahre vergehen und am Ende gewinnt Cicero den ungleichen Kampf um den Vorsitz der Republik Rom. Nicht mit militärischen Mitteln, sondern einzig mit der mächtigsten Waffe, die Menschen gegeben ist: Seinen Worten.

Robert Harris begibt sich mit diesem Roman, der Auftakt einer Trilogie sein soll, zum zweiten Mal in die römische Antike. Er erzählt die Ereignisse in den Jahren bis zu Ciceros Zeit als Konsul aus der Perspektive seines Sekretärs Tiro, der Cicero nahezu überall hin begleitet.
Sicherlich ist vieles an diesem Roman Fiktion, dennoch glaube ich, Robert Harris kommt mit seiner Erzählung dem Leben im alten Rom ziemlich nahe. Die Intrigen der herrschenden Klasse und die Dekadenz eines chauvinistischen Volkes, das den Niedergang der eigenen Demokratie herbeiführt, sind mit Sicherheit nicht weit davon entfernt.