
Dan Simmons: Die Hyperion-Gesänge
Stephen King sagte: “Dan Simmons schreibt wie ein Gott”.
Viel kann ich dem nicht hinzufügen, denn die sprachliche Eleganz der
Hyperion-Gesänge ist ein Genuss ganz besonderer Art. Die beiden Bände
Hyperion und
Der Sturz von Hyperion knüpfen nahtlos aneinander an, wenngleich sie inhaltlich verschiedener kaum sein können. Das Buch ist nichts für zartbesaitete, Kämpfe, Gefechte und manch andere Szenen werden von Simmons in einer Präzision beschrieben, dass man das Gefühl hat, nicht nur dabei, sondern vielmehr ein Teil von ihnen zu sein.
Angenehm ist, dass in den Hyperion-Gesängen viel Technologie zum Einsatz kommt, die für den Mensch des 20. oder 21. Jahrhunderts unvorstellbar ist, aber dennoch auf den Versuch verzichtet wird, sie mit den Mitteln der heutigen Physik zu erklären. Dieser wäre ohnehin zum Scheitern verurteilt und ähnlich wie sich heutzutage kaum jemand Gedanken über die Funktionsweise eines Handys macht, machen sich die Personen in einigen tausend Jahren Gedanken über die Funktionsweise der zum Alltag gehörenden Farcaster, mit denen man ohne Zeitverlust von Planet zu Planet reisen kann oder das allgegenwärtige Netz.
Zum Inhalt:
Eine Gruppe von sieben Pilgern wird entsandt, den Planeten Hyperion zu besuchen. Dort lebt das Shrike, auch Herr der Schmerzen genannt. Ein Wesen, dessen Herkunft unbekannt ist, das aber unendlich grausam mit allen verfährt, die sich unachtsamer Weise in seine Nähe begeben.
Die Pilger könnten unterschiedlicher nicht sein, ein Konsul, ein Priester, ein Soldat, ein Dichter, ein Gelehrter und eine Detektivin. Sie alle erzählen ihre Geschichte im Laufe der Reise zu den Zeitgräbern auf Hyperion. Eine Geschichte kann jedoch nicht erzählt werden. Der siebte Pilger, ein Tempelritter, verschwindet während der Reise auf mysteriöse Weise.
Allen Geschichten ist gemein, dass wenngleich außer dem Konsul keiner der Reisenden jemals zuvor Hyperion betreten hat, der Planet eine wesentliche Rolle im Leben ihrer Erzähler spielt.
Der erste Teil endet damit, dass die sechs verbliebenen Pilger die Schlucht mit Zeitgräbern auf Hyperion erreichen.
Während sich der erste Teil ausschließlich auf die Pilger konzentrierte, stehen im zweiten Band Der Sturz von Hyperion die politischen Geschicke in der Galaxis im Mittelpunkt. Was man im ersten Teil nur ahnte, wird hier bestätigt. Hyperion ist viel mehr als ein Planet am Rand, auf dem zufällig das Shrike entdeckt wurde. Hyperion wird der Ausgangspunkt der größten Veränderung sein, die die Menschheit seit Jahrhunderten erlebt.
Fazit: Wer gute Nerven hat, sich an blutigen Stellen nicht stört und einen Sinn für poetische Sprache hat, dem seien die 1450 Seiten der Hyperion-Gesänge von Dan Simmons unbedingt ans Herz gelegt.